Verein

Traum(a)Geburt e.V.

„Was ist mit meiner Frau, Tochter, Enkelin, meinem Sohn, meiner Freundin passiert?“


Hallo, wenn Du diesen Bereich geöffnet hast, bist Du vermutlich entweder ein möglicherweise überforderter Angehöriger oder eine Betroffene, die versucht, ihre Problematik der Familie, Freunden, ihrem Umfeld näherzubringen. 

Leider ist das Thema noch in der Tabu-Zone und es ist scham- und schuldbesetzt, sich damit auch nur auseinanderzusetzen.

Schön, dass Du Dir Sorgen oder Gedanken machst. Vielleicht hast Du mit der frischgebackenen Mama oder dem Papa bereits telefoniert, warst im Krankenhaus oder zu Hause zu Besuch oder hattest anderweitig Kontakt. Vielleicht haben auch andere Dir berichtet.

Eventuell weißt Du schon, dass es bei der Geburt Probleme gab, etwas nicht gut gelaufen ist, das Kind oder die Mama wegen vielfältiger Gründe intensiv betreut werden müssen. Vielleicht ist das Kind zu früh oder still geboren worden. Vielleicht ist einer der beiden bei der Geburt psychisch oder körperlich zu Schaden gekommen.

Eventuell ist Dir aufgefallen, dass irgendetwas am fröhlichen Ereignis der Geburt ins Wanken geraten ist.

Vielleicht ist die Mama sehr still, wirkt abwesend, zeigt Verunsicherung oder eine kaum wahrnehmbare Distanz zum Kind, gibt es zu bereitwillig ab. Weicht aus, wenn es um die Geburt an sich thematisch geht.

Sie kann auch sehr unruhig sein, aufgewühlt, weint oft. Spricht ständig über die Geburt, hinterfragt Vorgänge und sich selbst. Sie wirkt gequält und lässt sich auch kaum durch Zuspruch beruhigen. 

Vielleicht kommt es auf einmal zu Aggressivität und Handlungen, die Du auf den ersten Blick weder verstehen noch zuordnen kannst.

Sie rennt aus fröhlicher Runde davon, möchte keine Fotos machen, mag ihr Kind nicht abgeben oder zeigen. Wünscht keine Gespräche oder Hilfe bei irgendetwas. Bekommt in normalen Situationen unerwartet Gefühlsausbrüche, evtl. sogar Panikanfälle. Verweigert Arztbesuche oder notwendige Kontrollen für sich und/oder für das Baby.

Vielleicht hast Du sogar den Eindruck, dass dort eine fremde Person sitzt, die ihr Kind nicht liebt.

All das sind nach einer akuten Traumatisierung völlig normale Reaktionen. 

Du reagierst vielleicht zunächst verständnisvoll, irgendwann aber unwirsch, genervt oder versuchst zu beschwichtigen. Erklärungen zu finden, das Personal zu entschuldigen. Lösungen zu finden. 

Vielleicht bist Du auch (z. B. aus eigenen Erfahrungen heraus) einfach der Meinung, dass sich die Mama nicht so anstellen soll, ihre Probleme "doch gar nicht so schlimm" sind, dass es der normale Babyblues ist und jede Mutter am Anfang Probleme hat und nun eben müde ist. 

Möglicherweise kommt in Dir, wenn Du Mama bist, auch der Gedanke an die Geburt Deiner Kinder hoch und ein ablehnendes „Bei mir hat auch keiner gefragt, bei uns war es auch nicht besser, früher war es viel schlimmer.“ Auch das ist nachvollziehbar, vor allem, wenn vielleicht gar nichts wirklich offensichtlich Schlimmes passiert ist. 

Das wäre gleich der erste Punkt:

  • Du musst es nicht verstehen. Du musst es nicht nachvollziehen können. Du darfst eine vollkommen andere Meinung dazu haben.
  • Trauma ist oft leise, zeigt sich oft anders, als man erwartet und ist nichts, was der/die Betroffene sich bewusst ausgesucht hat. Es lässt sich nicht aktiv beeinflussen.
  • Auch eine Traumafolgestörung, dazugehörige Ängste und Vermeidungsverhalten lassen sich ohne therapeutische Hilfe nicht wesentlich beeinflussen, da auch dies keiner willentlichen Entscheidung unterliegt. 
  • Es muss nicht Dein Trauma sein. Selbst wenn Du es für absolut normal oder gar lächerlich hältst; lasse es für die Betroffene so stehen. Nichts ist schlimmer, als wenn das eigene Leid relativiert oder abgesprochen wird.

 
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